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Vandalismus im Stadtteil

  • Bericht und Kommentar zum Vandalismus im Stadtteil
  • Gegen Generalverurteilung der Jugend

2013 flammte der Vandalismus am Fasanenhof wieder auf. Die Brennpunkte: Spielplätze wie jener am Linderweg und die Endhaltestelle Fasanenhof. Die Beschwerden nahmen zu, und schnell war eine Gruppe junger Leute als Täter ausgemacht. Laufen wir jetzt erneut Gefahr, wie schon zu Sokrates Zeiten dem Generalverdacht gegen Jugendliche zu verfallen? Wir beleuchten Fakten und Aussichten: Was war passiert, wie wurde reagiert, und wie können wir als Stadtteil künftig damit umgehen. 

Der Bericht

Die Polizei solle mit persönlicher Präsenz auf Bürgereingaben über Vandalismus „und nicht mit warmen Worten reagieren“, sagte Ortsvorsteher Peter Carqueville Ende vergangenen Jahres auf einer Sitzung des Ortsbeirats Fasanenhof. Am Spielplatz Linderweg, ebenso an der Endhaltestelle Fasanenhof, sei es wiederholt zu Sachbeschädigungen, Vermüllung und Ruhestörungen gekommen.

Bei der eiligst einberufenen Ortsbegehung machte sich der Beirat ein Bild von der Lage und sprach mit Anwohnern. Diese machten vor Ort ihrem Ärger Luft. „Man traut sich ja gar nicht, die Jugendlichen anzusprechen, weil sie gleich immer aggressiv werden!“, sagte eine Anwohnerin aus einem der angrenzenden Hochhäuser. Die Jugendlichen des Stadtteils nahm Carqueville jedoch in Schutz. „Es sind nicht ‚die Jugendlichen‘, sondern eine bestimmte Gruppe junger Menschen und Erwachsener, die hier Probleme bereiten.“ Eine Generalverurteilung ganzer Altersgruppen lehne er daher ab. Vielmehr forderte er von Polizei und Ordnungsamt schnelles Reagieren und von den Anwohnern den Mut, die Ämter auch tatsächlich zu informieren.

Der Ortsbeirat verwendet rund 90 Prozent der ihm jährlich zur Verfügung stehenden Mittel zur Unterstützung der Jugendarbeit im Stadtteil. Ziel sei es jedoch nicht, jeden einzelnen jungen Menschen in einen Jugendclub zu stecken. „Jugendarbeit ist mehr als nur Präventionsarbeit“, sagte Carqueville. Es ginge vielmehr darum, Möglichkeiten und Freiräume zu bieten. (Redaktion)

Kommentar zum Umgang mit der „heutigen Jugend“

Gekreische, laute Musik und Alkohol – so bemerkt man gerade in den Sommermonaten häufig Jugendliche, wenn sie sich auf einem Kinderspielplatz oder an Bänken in den Abendstunden zusammenfinden. Wenn man gerade selbst auf seinem Balkon die letzten warmen Stunden des Tages genießen will, kann ein solches Auftreten von Jugendlichen die abendliche Ruhe stören. Doch ganz ehrlich: Haben Jugendliche nicht auch ein Recht darauf, den öffentlichen Raum zu nutzen? Dabei will ich nicht Vandalismus und übermäßigen Alkoholkonsum verharmlosen. Beides geht sicherlich bei einigen Jugendgruppen mit einher. Die meisten Jugendlichen sind aber nicht auf Randale aus, sondern wollen einfach ihre Zeit genießen. Und unsere abendlichen Unterhaltungen werden bei einer Flasche Wein auf dem Balkon meist auch etwas lauter, oder etwa nicht?

Die Stadt ist ein Raum, in dem viele Menschen zusammenrücken und natürlich auch aufeinander Rücksicht nehmen müssen. Jugendliche schwanken in der Pubertät, das haben wissenschaftliche Forschungen über den Hormonhaushalt gezeigt, in extremeren Gefühlszuständen. Die meisten Jugendlichen reagieren auf einen freundlichen (!) Hinweis verständnisvoll, denn kaum einer macht absichtlich Lärm um die Anwohner zu stören – auch wenn einem dies gelegentlich so vorkommt. Wenn man auf Augenhöhe aufeinander zugeht, ist auch mit Jugendlichen zu reden und sie werden sich in den allermeisten Fällen einsichtig zeigen. Doch der Ton macht die Musik! Wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn uns Jugendliche pampige Antworten geben, wenn wir selbst aggressiv und meckernd auf sie zustürmen. Ein freundliches Wort hilft bei den meisten Menschen – Jugendlichen und Erwachsenen.

Gerade die Jugend als ein Status zwischen Kindheit und Erwachsensein ist geprägt davon, dass die Jugendlichen sich in dem Zwischenraum von Nicht-mehr-Kind aber auch Noch-nicht-Erwachsener aufreiben. Keine einfache Lebensphase, die wir als Erwachsene den Jugendlichen häufig nicht leichter machen, weil wir unsere Vorurteile pflegen. Doch auch Jugendliche sind Teil unserer Gesellschaft. Sie haben es verdient, dass man mit ihnen auf Augenhöhe redet. Schließlich waren wir alle einmal in dieser Lebensphase und haben sicher selbst das eine oder andere erlebt oder gemacht, worüber wir heute den Kopf schütteln. Gestehen wir der heutigen Jugend zu, ebenso ihre Erfahrungen zu machen.

Isabel Carqueville
Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Kassel

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