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Hat der Liefer-Markt wirklich eine Zukunft?

Kein Anstehen in der Kassenschlange mehr, oder das Schleppen von schweren Plastiktüten den Goldberg hoch. Das klingt im ersten Moment wie eine tolle Zukunft. Wir sprachen mit Marco Wenzel, Inhaber des Edeka Neukauf in der Fiedlerstraße, über seine Sicht auf diese Vision der Zukunft.2012-08 abb4 web

  • DRF: Herr Wenzel, besteht denn überhaupt eine ausreichende Nachfrage nach einem Liefer-Supermarkt?
  • MW: Oh ja. Wir bieten unseren Lieferservice seit vielen Jahren an. Jeden Tag sind wir drei Stunden mit der Durchführung der Lieferungen beschäftigt. Ginge es nach der reinen Nachfrage, dann würden wir den ganzen Tag nichts anderes mehr machen.
  • Trotzdem sind Supermärkte mit Lieferdienst am Fasanenhof gar nicht so einfach zu finden. Woran liegt das?
  • Das verwundert mich überhaupt nicht, weil ein solcher Service falsche Erwartungen weckt. Im Einzelhandel herrscht ein harter Preiskampf, die Gewinnmargen sind niedrig. Unsere Preise sind Abholpreise. Über die Grundkalkulation eines Supermarktes ist ein Lieferdienst per telefonischer Bestellung nicht zu bezahlen. Beides zusammen, Discounterpreise und Lieferung auf Anruf, geht deshalb nicht.
  • Sie legen also finanziell drauf bei ihrem „Lieferservice“?
  • Nein. Wir betreiben die Lieferungen kostendeckend. Was wir vom Kunden aber möchten ist der Spaziergang zum Markt. An der Kasse sagen sie dann die magischen Worte „Ich möchte diesen Einkauf nach Hause geliefert bekommen!“. Und das machen wir dann gern. Jeden Tag ab 13 Uhr wird ausgeliefert.
  • Aber nicht jeder ist in der Lage, den Einkauf selbst durchzuführen.
  • Genau. Auf Wunsch wird Blinden und gehbehinderten Menschen deshalb beim Einkauf direkt geholfen. Wir gehen dann zusammen durch den Supermarkt, können bei der Auswahl Rückfragen stellen, und helfen dann natürlich auch beim Transport nach Hause. Das ist gar nicht so selten, und kein Problem. Per Telefon geht das natürlich nicht. Nun gibt es viele alte Menschen, die nicht mehr selbst zum Supermarkt kommen können. Dieses Thema ist aber komplexer als die Frage, ob ein Lieferdienst angeboten wird oder nicht. Das ist eine Frage der Mobilität. Es gibt in Deutschland die sogenannten Pflegestufen. Ja nach Höhe der Pflegestufe können die Bezieher eine Hilfskraft dafür bezahlen, mit ihnen zum Supermarkt zu fahren oder den Einkauf komplett selbst zu erledigen. Ziel ist die Aufrechterhaltung einer maximal möglichen Mobilität, welche überlebenswichtig sein kann. Die dafür nötige Einkaufshilfe ist in dem Fall nahe am Menschen. Und da gehört sie auch hin.
  • DRF: Vielen Dank für das Interview.
  • MW: Gern geschehen.

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